KMK-Kompetenz

Die KMK hat „Kompetenzen in der digitalen Welt“ festgelegt. Hintereinander geschrieben erstrecken sie sich locker über die Distanz eines Halbmarathons, untereinander muten sie an wie das Inhaltsverzeichnis einer geisteswissenschaftlichen Habilitationsschrift. Und deshalb ist jemand auf die glorreiche Schnapsidee gekommen, mit Mindmanager (glorreich) die komplette Materialfülle (Schnaps) darzustellen. Kein handelsüblicher Bildschirm kann dies Elaborat in handelsüblicher Schriftgröße darstellen und auf Smartboards oder bebeamten Leinwänden ist es nicht besser. Schaut her:

So eine Mindmap ist ein methodisches Desaster. Aber: Jemand hat bewiesen, dass er Digitalisierung kann. Er hat die komplexe Digitalisierung in 90 Kuller gepackt, was enorme Geduld im Umgang mit der Mindmapping-Software beweist, die gesamte Idee der Visualisierung jedoch konterkariert. Denn das Ergebnis ist zu unübersichtlich, die Liste wäre hier angebracht gewesen. Das Thema ist nicht einfach, und man muss sich lange Gedanken machen, um es zu durchdringen.

Aber vielleicht ist das gar nicht geplant. Geplant ist diese Mindmap als Totschlag-Bildschirm für diverse Fortbildungen, der jede Diskussion im Keim abtötet und die Fortzubildenden auf eine endlose Latte von Totschlag-Argumenten einstimmt. Die folgen mit absoluter Sicherheit und zünden als entscheidenden Booster immer das Wort „Digitalisierung“, mit dem man derzeit alles begründen kann (und ich glaube fast: muss).

Interessant ist bei alledem nämlich, was nicht in dieser Mindmap zu finden ist. Keine Reflexion, nirgends. Keine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit der Digitalisierung, keine Grenzziehungen, keine Fragen nach einem Nutzen für ein gutes Leben, kein Bezug auf den Menschen. Es ein Kompetenzmodell, und von dieser sonderbaren Textsorte darf man ohnehin nichts Tiefschürfendes erwarten. Es wurde von der Bertelsmannstiftung eingeflüstert, auf den Fluren der KMK versemmelte der Stille-Post-Buschfunk noch die letzten logischen Zusammenhänge, übrig ist ein Wunschzettel der Wirtschaft.

Ein Armutszeugnis für die KMK und letztlich ihr digitaler Inkompetenzrahmen.

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