{"id":563,"date":"2014-04-07T19:17:12","date_gmt":"2014-04-07T18:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/?p=563"},"modified":"2014-04-12T11:25:56","modified_gmt":"2014-04-12T10:25:56","slug":"dozenten-koennen-keine-gastbeitraege-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/dozenten-koennen-keine-gastbeitraege-mehr\/","title":{"rendered":"Dozenten k\u00f6nnen keine Gastbeitr\u00e4ge mehr"},"content":{"rendered":"<p>Sprachnotstand an der Uni: Werden an deutschen Unis keine Gastbeitr\u00e4ge mehr ge\u00fcbt? Die Erfahrungen unseres Autors lassen dies jedenfalls vermuten.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/axt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-568\" style=\"margin: 10px;\" alt=\"axt\" src=\"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/axt.jpg\" width=\"368\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/axt.jpg 460w, https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/axt-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/a>Im Dienstbetrieb geh\u00f6rt es zu den Aufgaben deutscher Deutschlehrer, Gastbeitr\u00e4ge von Professoren in konservativen Zeitungen* zu lesen, die zum allgemeinen Thema \u201eDie Schule von heute leistet nichts mehr\u201c angefertigt wurden. Denn das geh\u00f6rt zum guten Ton unter deutschen Professoren deutscher Hochschulen: Dass sie n\u00e4mlich von Zeit zu Zeit beklagen, die Studierenden von heute seien so uns\u00e4glich doof geworden. Sie k\u00f6nnten keine Grammatik mehr, sie w\u00fcssten Kommas nur noch mit dem Salzstreuer und nach dem Zufallsprinzip zu setzen, sie verf\u00fcgten auch nicht \u00fcber die kleinste Ahnung, wie ein Text logisch geradeaus und syntaktisch unfallfrei zu verfassen ist.<br \/>\nDas Problem ist nur, dass die Kritiker selber nicht immer schreiben k\u00f6nnen, zumal wenn sie gar keine Professoren, sondern nur Dozenten sind.<br \/>\nSo versucht sich eine Politikwissenschaftlerin namens Hannah Bethke aus der hochber\u00fchmten Uni Greifswald an den Thema und scheitert grandios. Was sich dem Leser ihres Beitrags darbietet, ist eklatant.<\/p>\n<p>Erstens extrapoliert sie von einer Greifswalder (!) Politik(!!)-Studentenschafts-Stichprobe auf das Gesamt der deutschen Abiturienten. Soviel Statistik sollten Politikwissenschaftler drauf haben, dass sie diese Hochrechnung wohlweislich unterlassen. Zuk\u00fcnftige Politikstudenten sind aus den Deutsch-Leistungskursen der Republik bestens bekannt. Dummschw\u00e4tzer, die von nichts eine Ahnung haben, vor allem nicht von Rechtschreibung, und die eben deshalb Politik studieren. Und von denen landen dann nat\u00fcrlich die absurdesten Exemplare in Greifswald. So viel dazu.<\/p>\n<p>Zweitens: Wor\u00fcber beschwert sie sich eigentlich? Hier wird munter durcheinandergeschmissen, was sauber unterschieden geh\u00f6rt. Grammatik und Rechtschreibung sind zwei Paar Stiefel. Nicht jedoch f\u00fcr Frau Bethke. Da zitiert sie in paar besonders absurde Bl\u00fcten, die einem sicher die Zornes- bzw. Schamesr\u00f6te auf die Stirn zaubern k\u00f6nnen. Sie beweisen aber eher, dass die armen Politikstudenten in diesem engen Fahrplan des Bachelor-Studiums sp\u00e4t nachts noch letzte Hand an sinnfreie Hausaufgaben legen m\u00fcssen, als dass die wackeren K\u00e4mpfer keine Ahnung von Grammatik haben. Da springt in mittern\u00e4chtlicher M\u00fcdigkeit der Cursor aufgrund von unfreiwilligen Ber\u00fchrungen der Handfl\u00e4che mit dem Touchpad erratisch herum und zerschie\u00dft die Konstruktionen, und die Zeit zum Korrekturlesen fehlt schlicht. Keine Ahnung von Grammatik und klarem Ausruck hat viel eher jemand, der bei vollem Bewusstsein S\u00e4tze verbockt wie den folgenden:<\/p>\n<blockquote><p>Hat es sich schon durchgesetzt, allen, die in der Schule nicht aufpassen oder sich durch anderes \u201eabweichendes Verhalten\u201c vom \u201enormalen\u201c Durchschnitt unterscheiden \u2013 ein Umstand, den jede liberale Gesellschaft eigentlich begr\u00fc\u00dfen sollte, anstatt jegliche Normabweichung sofort als pathologisch zu klassifizieren\u00a0-, die Krankheit ADHS zuzuschreiben, gelten nun alle, die der deutschen Rechtschreibung nicht m\u00e4chtig sind, als Legastheniker.<\/p><\/blockquote>\n<p>Schw\u00f6r: Isch hab den Satz genauso abgetippt, wie er da steht!! Der Satz ist eine Angeberei. Den kann man nur mit dem Computer schreiben, indem man zwanzigmal hin- und herschaut, ob die Konstruktion nach dem Konditionalsatz ohne \u201ewenn\u201c, dem auf ein Indefinitpronomen bezogenen Relativsatz und der durch weitere Attributs\u00e4tze und satzwertige Infinitive aufgebl\u00e4hten Parenthese am Ende auch stimmt. (Seht ihr, kann ich auch!!) Vor sechzig Jahren erschien mal ein gutes Buch, das seither immer wieder aufgelegt wird und auf den Schreibtisch von Frau Bethke geh\u00f6rt: Die \u201eStilfibel\u201c von Ludwig Reiners. In kurzen, pr\u00e4gnanten S\u00e4tze, so soll man sich ausdr\u00fccken. Nicht mit nachklappenden zweiten Teilen von Satzklammern.<\/p>\n<p>Drittens, und hier wird es vollends lustig: Der Artikel schlie\u00dft mit einer wirren Methodenkritik an der Schule, mit einem gro\u00dfen Fass Kulturpessimismus und einem bizarren Lob des Frontalunterrichts, mit einem Zitat von Kant, der sich nicht wehren kann, mit Armutszeugnissen und ausbleibender Fehlerkontrolle und grassierender Lesefaulheit, mit inflation\u00e4r guten Noten und einer d\u00fcsteren Prognose, die sich auf die Zukunft bezieht und unserem Bildungssystem ein kurze vorhersagt. Ich nehme s\u00e4mtliche Kritik zur\u00fcck und behaupte das genaue Gegenteil, wenn Frau Bethke mir nachweist, dass sie einmal in einer Gesamtschule Rechtschreibunterricht gemacht hat. In einer siebten Klasse, in einer achten Stunde. So eine krude Gemengelage aus nicht verstandenen Sprechblasen kann ich jedoch nur verachten. Sie ist weniger als nichts wert. Sie nervt einfach nur.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Anfang zur\u00fcck: Werden an deutschen Unis keine Nachhilfekurse im Gastbeitr\u00e4ge-Schreiben mehr angeboten? Man muss es vermuten, Frau Bethke hat jedenfalls keinen besucht. Und das ist traurig. Denn aus dem Tonfall und der selbstverliebten Ziseliertheit ihres Beitrags kann man extrapolieren &#8211; und das ist jetzt erlaubt -, wie sie ihre sonstigen Texte schreibt oder redet. Nicht so jedenfalls, dass die Ergebnisse als Vorbild f\u00fcr die Studenten dienen k\u00f6nnten. Und das ist doppelt traurig, denn wie der Herr, so&#8217;s Gescherr.<br \/>\nEs ist klar, warum Frau Bethkes Studis erb\u00e4rmlich schreiben: An der Schule liegt&#8217;s nicht, so viel ist sicher.<\/p>\n<p>*\u00a0Hannah Bethke: \u201eStudenten k\u00f6nnen keinen Rechtschreibung mehr\u201c. Download von <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/beruf-chance\/campus\/sprachnotstand-an-der-uni-studenten-koennen-keine-rechtschreibung-mehr-12862242.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/beruf-chance\/campus\/sprachnotstand-an-der-uni-studenten-koennen-keine-rechtschreibung-mehr-12862242.html<\/a> am 27.03.2014.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprachnotstand an der Uni: Werden an deutschen Unis keine Gastbeitr\u00e4ge mehr ge\u00fcbt? 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