{"id":1327,"date":"2017-05-22T22:39:35","date_gmt":"2017-05-22T21:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/?p=1327"},"modified":"2017-05-23T16:58:24","modified_gmt":"2017-05-23T15:58:24","slug":"warum-die-zeit-unleserlich-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/warum-die-zeit-unleserlich-ist\/","title":{"rendered":"Warum die ZEIT unleserlich ist"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mir wieder einmal vier Exemplare der ZEIT als Probeabo ins Haus liefern lassen. Ich kriege dauernd solche E-Mails mit Probeabo-Angeboten, da kann ich nicht widerstehen. Ich wei\u00df sofort, dass ich diese Wochen-Postille nicht haben will, aber viermal f\u00fcr umme nehm ich sie doch. K\u00f6nnte ja was Gutes drinstehen. <!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ZEIT.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ZEIT.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"93\" class=\"alignnone size-full wp-image-1330\" srcset=\"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ZEIT.jpg 600w, https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ZEIT-300x47.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>(Dass man hinterher diese dreisten automatischen Jahresabos abwehren muss, geh\u00f6rt eigentlich auch noch zur Geschichte, ist aber eher nur insofern interessant, als die Tante ZEIT mit miesen Dr\u00fcckerkolonnen vom DPV zusammenarbeitet.)<br \/>\nStand aber nichts Gutes drin; stand nur das drin, was seit Jahrzehnten drinsteht, und mindestens ein halber Baumstamm wurde f\u00fcr mich get\u00f6tet. Aber ich will es der Reihe nach erz\u00e4hlen.<br \/>\nDie ZEIT geh\u00f6rt zu meiner Kindheit und meiner Jugend. Meine Eltern hatten sie, mein Religionslehrer hatte sie (und er las sie wirklich durch, behauptete er wenigstens, vielleicht war es nicht gelogen; er ist heute Professor) und dies Zentralblatt der gutsituierten christlichen liberalen Bestmenschen enthielt die Wahrheit. Die Zeit war nicht DDR-G\u00e4nsef\u00fc\u00dfchen-konservativ wie Springer; sie war nicht unfl\u00e4tig und ungeb\u00fchrlich investigativ wie der SPIEGEL (Kinder, wie die Zeit vergeht; so war der SPIEGEL mal); sie stapelte die Wohlgesinntheit ins Haus. Man musste mindestens einen Hochschulabschluss haben, um sie zu verstehen (das gilt immer noch). Man musste f\u00fcr fairen Handel, Menschenrechte, Urw\u00e4lder, Demokratie und Wolfram Siebecks Spargelkreationen sein, um sie zu lesen. Man musste gegen Fu\u00dfpilz, die Kommunisten und die Ausbeutung von armen Frauen in Sweatshops sein und gegen das Elend Frankfurter Obdachloser zu Weihnachten, wenn man sie goutieren wollte. Und Andreas Kilb erkl\u00e4rte, welche Filme gut waren.<br \/>\nUnd dann verging die Zeit und ich zog aus und verlor die ZEIT aus den Augen und kaufte sie manchmal am Kiosk und hatte Besseres zu tun. Ich verpasste so verstiegene Projekte wie dies Pseudo-Lexikon \u201eZEIT-WISSEN&#8220; oder wie es auch immer hei\u00dft (und was jetzt f\u00fcr ein paar Cents bei Booklooker vertickt wird) oder auch die CD-Stapel mit Must-have-Musik \u00e0 la Bildungsb\u00fcrgertum. Ich vermisste nichts au\u00dfer die Schachkolumne von Helmut Pfleger, die ich bei meinen seltenen Heimatbesuchen gleich stapelweise weglas. All die gef\u00e4llten B\u00e4ume fanden sich immer noch im Wohnzimmer meiner Eltern, flankiert von  Chrismon und sp\u00e4ter vom Manufaktum-Katalog. Man w\u00e4hlte SPD oder Gr\u00fcn und wusste sich auf der guten Seite des Lebens. Mir kam das immer merkw\u00fcrdiger vor. Merkw\u00fcrdig wie die Empfehlungen von Leo Spitzer am Ende seines Medienschelte-Buches nach dem billigen Motto: \u201eGehen Sie mit Ihrem Kind in ein gutes Konzert, statt es Zombies totschie\u00dfen zu lassen.&#8220;<br \/>\nIrgendwann hatte der Westen \u00fcber den Osten gesiegt und die sozialen Gr\u00e4ben vertieften sich und die Agenda 2010 spaltete das Land und der Prenzelberg wurde von reichen Familien \u00fcberschwemmt. Die Biom\u00e4rkte boomten und die SUV-Hersteller gleich mit, damit die Mamas (45 Kilo) mit ihren Blagen (2x circa 12 Kilo) mit zwei Tonnen Blech und Stahl zum \u00d6kosupermarkt brettern konnten. Zu Hause lagen dann diese toten B\u00e4ume herum und irgendwann weiter hinten fand sich Werbung f\u00fcr exklusive Studienreisen nach Lateinamerika; Kostenpunkt: 6000 Euro. Pro Person.<br \/>\nDer Ober-Welterkl\u00e4rer Helmut Schmidt erkl\u00e4rte die Welt, legte auf einem Buch-Cover das Schachbrett falsch herum und wurde nach seinem Tod wochenlang und per Extraausgabe gelobgehudelt und zum Heiligen hochgejazzt. Er hatte keine Visionen, er konnte sich den Arzt sparen.<\/p>\n<p>Die ZEIT jedoch, und jetzt kommt die Wahrheit, hatte sich von der Wirklichkeit der Menschen Lichtjahre entfernt. Sie staunt ab und zu, warum es sowas B\u00f6ses wie Rechtspopulismus gibt, und sie t\u00f6tet ganze W\u00e4lder, auf denen sie ihre Leitartikel druckt, aber sie kommt einfach nicht auf den Trichter, was der wahre Grund ist: Weil es katastrophal abgehobene Intelligenzbl\u00e4tter gibt wie sie selbst, die schon vor dem ersten Komma die Sprache der Menschen hinter sich gelassen haben und jene 80% der Bev\u00f6lkerung, die diese Sprache nicht verstehen, einfach in den Orkus bef\u00f6rdern und ihnen klipp und klar mitteilen, dass sie nichts mitzureden haben. Stattdessen zieht dies Blatt seine Kreise und filmt wie eine zu hoch fliegende Drohne die Niederungen der Menschen, deren Worte sie aber nicht mehr h\u00f6rt.<br \/>\nDie ZEIT ist unleserlich und kotzt mich an, weil sie das Flaggschiff des satten, liberalen, christlichen, reichen, wohlmeinenden westdeutschen Bildungsb\u00fcrgertums ist, das Fl\u00fcchtlinge auf dem Bahnhof willkommen hei\u00dft und deren Wohnheim im Wohngebiet zu verhindern wei\u00df, das soziale Ungerechtigkeit ablehnt und keinen einzigen Hartzer mit Namen kennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mir wieder einmal vier Exemplare der ZEIT als Probeabo ins Haus liefern lassen. Ich kriege dauernd solche E-Mails mit Probeabo-Angeboten, da kann ich [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1325,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[80],"tags":[],"class_list":["post-1327","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienkritik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1327"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1335,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1327\/revisions\/1335"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.moutard.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}