Gartengedichte

By | 18.03.2018

Jan Wagner bekommt den Büchnerpreis, den Preis, der nach dem Verfasser des „Hessischen Landboten“ benannt ist, der jene verrückte Novelle „Lenz“ gegen alle Wohlanständigkeit geschrieben hat, der in „Woyzeck“ den Naturalismus um zwei Generationen überholt hat. Er bekommt den Büchnerpreis für Gartengedichte.

TAUSEND GÄRTNER

Tausend Gärtner lungern um die Stadt
Und hüten das Geheimnis der Hecken.
Sie recken den Stinkefinger steil in den
Himmel und verweisen den Reisenden

Zurück an den Ort, wo der Pfeffer wächst.
Die Vögelein schweigen, da ist was im Busch.
Kugeln aus Buchsbaum und Präzisions-
Rasenkanten zeugen von Anstand. Argwohn

Lugt aus dem Pool und geht aus vom
Schlimmsten. Motorsensen kappen den
Vorwitz der Halme. Man hätschelt die
Prächtigen Tulpen und tötet den Giersch.

Aber die Quecke wartet nur auf das Stichwort
Und der Maulwurf geduldig auf bessere Tage.

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