Der Umschlag ist grün

By | 24.08.2014

… und gab zu Hoffnung Anlass. Als Reverenz vor dem größten deutschen Intellektuellen, denn so wurde der kürzlich verstorbene Frank Schirrmacher in den Nachrufen geehrt, nahm ich mir sein Buch „Payback“ zur Hand, eine Auseinandersetzung mit dem Internet, mit Clouds und künstlicher Intelligenz. Und war entsetzt.

payback

Der grüne Teil, also der Umschlag, bietet so einiges, was einem gefallen kann.

Ergebnisse von Studien, von denen man nie etwas gehört hat und die manches beweisen; aphoristisch gestylte Bonmots zu allerlei Phänomenen rund ums Internet; durchaus bedenkenswerte Anmerkungen zu den Problemen, die sich ergeben, alldieweil die Computer unser aller Leben zu bestimmen begonnen haben; ein Plädoyer für Kreativität, das einem aber so was von schmeichelt, denn wer will nicht kreativ sein und zurückfordern, was einem von den Rechenknechten weggenommen wurde; Stoßseufzer über zu viele Mails und zu viele SMS-Botschaften oder zu hochfrequentes Whatsgeappe-Klingeln (obwohl, das kennt Schirrmacher noch nicht); und so weiter.

Aber unter dem grünen Umschlag ist das Buch pechschwarz, und hier enthüllt sich sein wahrer Charakter.

Denn es handelt sich um nichts anderes um das alte Gemaule, dass die Zeiten heutzutage so schlecht geworden sind. Die Babyboomer, zu denen Schirrmacher sich wiederholt zählt, sind schlicht alt geworden und kommen nicht mehr mit. Was glaubt ihr eigentlich, was die Kids machen, wenn zu viele Nachrichten sie bombardieren? Sie schalten ab und das Handy hatte leider keinen Akku mehr. Oder versuch du mal, Schülern eine Nachricht zu schicken, in der sie zur Erledigung von Hausaufgaben aufgefordert werden. Die kommt garantiert nicht an. Wenn Schirrmacher also stänkert, wie sehr er von diesem Dauergepiepse genervt ist, dann sind die Kids schon meilenweit medienkompetenter als so ein FAZ-Redakteur. Neulich hatte ich Jaron Laniers „Gadget“ in der Hand: Tausendmal besser, obwohl im der Tendenz nicht viel anders als Schirrmacher. Denn der Mann weiß, wovon er spricht, während unser Autor Vergleiche von ganz weit her holt und Gregor Samsa, auf dem Rücken liegend und hilflos mit den Armen strampelnd, geradezu zur Ikone unserer überforderten Zeitgenossen hochjazzt.

Bei aller Liebe, und nil nisi bene, ich weiß, aber dies Buch hat den Preis verdient, den es derzeit bei Momox erzielt. Wenige Cent.

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